|
PSYCHIATRIEGESCHICHTE AUS DER PERSPEKTIVE DER BETROFFENEN
Festwoche zum 25-jähigen Jubiläum des Sächsischen Psychiatriemuseums10. bis 14. Juni 2026
Vom 10. bis 14. Juni 2026 veranstalteten das Sächsische Psychiatriemuseum und der Trägerverein Durchblick e.V. eine Festwoche unter dem Titel »Psychiatriegeschichte aus der Perspektive der Betroffenen. 25 Jahre Sächsisches Psychiatriemuseum« zum 25-jährigen Jubiläum des Psychiatriemuseums.
Das Museum war 2001 mit der Dauerausstellung »IRR-SINN. Einblicke in die Sächsische Psychiatriegeschichte« eröffnet worden. Ziel war (und ist) es, durch die Darstellung der Geschichte der Psychiatrie in Leipzig und Sachsen mit dem Schwerpunkt der Perspektive der Betroffenen eine breite Öffentlichkeit über psychische Erkrankungen und die Geschichte der Psychiatrie zu informieren und zum Abbau von Vorurteilen beizutragen. Mit Sonderaus-stellungen, Stadtführungen, Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen macht das Museum seit einem Vierteljahrhundert Angebote zur Diskussion über Psychiatrie und Gesellschaft und will zur Entstigmatisierung beitragen.
Eröffnung der Ausstellung »Seelenarbeit im Sozialismus«
Die Jubiläumswoche startete am 10. Juni 2026 mit der Eröffnung der Ausstellung »Seelenarbeit im Sozialismus«. Die Wanderausstellung ist ein Ergebnis des Projektes »Seelenarbeit im Sozialismus – Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie in der DDR« (SiSaP), das von 2019 bis 2025 vom BMBF (mittlerweile BMFTR) gefördert wurde, um die Rolle der Disziplinen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychologie in der DDR rückblickend weiter aufzuklären und zu verstehen. Dafür wurden von den Forscherinnen und Forschern die DDR-Fachliteratur und Archivakten untersucht, Menschen befragt, die Erfahrungen mit diesen Teilgebieten gesammelt haben, wie etwa ehemalige Therapeutinnen und Thera-peuten, aber auch Patientinnen und Patienten, die in der DDR in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung waren.
Zur Eröffnung sprachen Prof. Ekkehardt Kumbier und Dr. Kathleen Haack, (Universitäts-medizin Rostock). Ekkehardt Kumbier stellte die Ziele, die Arbeitsweise und Ergebnisse des Projektes vor. Im Anschluss gab Kathleen Haack einen Einblick in die im Rahmen des Projektes erarbeitete umfangreiche Datenbank.
In dieser Datenbank können Besucherinnen und Besuch der Ausstellung im Museumsfoyer über einen Touchscreen selbständig recherchieren. Auf einen Videostele werden Ausschnitte von Zeitzeugeninterviews gezeigt, die im Rahmen des Projektes entstanden sind.
Die Ausstellung kann bis zum 26. September zu den Öffnungszeiten des Psychiatriemuseums besichtigt werden.

|
Foto: Durchblick e.V./Sächsisches Psychiatriemuseum |
Die Ausstellung wird bis zum 26. September 2026 im Museumsfoyer gezeigt.
Festveranstaltung
Zur Festveranstaltung am 12. Juni waren Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, Partnerorganisationen, Kolleginnen und Kollegen, Förderer, Mitarbeitende und Mitglieder des Sächsischen Psychiatriemuseums, des Fördervereins und des Durchblick e.V. eingeladen. Aufgrund der Raumkapazität musste die Zahl der Gäste auf 50 Personen begrenzt werden.
Christian Schramm, Mitglied im Vorstand des Durchblick e.V. begrüßte die Gäste und verwies auf die in der Dauerausstellung vorgestellten Lebensgeschichten von Psychiatriebetroffenen.
Im Anschluss übernahm Thomas Seyde, ehemaliger Psychiatriekoordinator der Stadt, die Moderation. Herr Seyde hieß Frau Dr. Martina Münch, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Soziales, Gesundheit und Vielfalt der Stadt Leipzig für ein Grußwort willkommen. Frau Münch gratulierte dem Museum und würdigte die vom Museum geleistete Arbeit der Vermittlung der Leipziger und Sächsischen Psychiatriegeschichte und verwies auf die Bedeutung der Erinnerungskultur für das heutige verantwortungsvolle Handeln. In diesem Sinne hob sie den Beitrag des Museums durch die Verbindung historische Aufarbeitung mit politischer Bildung, kultureller Arbeit und gesellschaftlichem Engagement heraus.
In seinem Grußwort für den Förderverein Sächsisches Psychiatriemuseum e.V. betonte
Dr. Dyrk Zedlick die vertrauensvolle Zusammenarbeit des Fördervereins mit dem Psychiatriemuseum und bedankte sich insbesondere bei Christina Stoppa, Geschäftsführerin des Durchblick e.V., und Thomas R. Müller, Leiter des Sächsischen Psychiatriemuseums, für ihr Engagement.
Im Anschluss erinnerte Thomas R. Müller, Leiter des Sächsischen Psychiatriemuseums, an die Gründung des Museums, die Leitidee, die Psychiatriegeschichte aus der Perspektive der Betroffenen darzustellen, und an einige Höhepunkte wie spezielle Sonderausstellungen und prominente Gäste.

|
Foto: Durchblick.e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Christian Schramm |

|
Foto: Durchblick e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Dr. Martina Münch |

|
Foto: Durchblick .e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Dyrk Zedlick &Thomas Seyde |

|
Foto: Durchblick .e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Thomas R. Müller |
Den Festvortrag hielt Prof. Michael von Cranach unter dem Titel »Welche Psychiatrie-geschichte brauchen wir?« M. v. Cranach verband die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Psychiatrie im Nationalsozialismus mit den eigenen Erfahrungen eines seit den 1960er Jahren tätigen Psychiaters. Die von der Psychiatrie begangenen Verbrechen und die Täter seien lange Zeit kein Thema gewesen. Als M. von Cranach Anfang der 1980er Jahre die Leitung der Klinik in Kaufbeuren übernahm, setzte er sich mit den Biografien seiner Vorgänger auseinander und widmete sich insbesondere den Opfern der NS-„Euthanasie“ und deren Angehörigen. Bei seinen Studien entdeckte er die Akte von Ernst Lossa, dessen Schicksal in einem Jugendroman und dem im Rahmen der Jubiläumswoche zur Aufführung kommenden Film »Nebel im August« nachgezeichnet wurde. Beeindruckend waren die von M. von Cranach erzählten Episoden wie die der Begegnung mit einem Patienten, der ihn mit der Frage konfrontierte, wie er sich als Psychiater im Nationalsozialismus verhalten hätte.
Als Gastgeschenk überreichte M. v. Cranach dem Museum das »Gedenkbuch für die Münchner Opfer der nationalsozialistischen ›Euthanasie‹-Morde«, an dessen Entstehung er maßgeblich mitgearbeitet hat.
Die musikalische Umrahmung der Festveranstaltung wurde von Gabriele Lamotte (Sopran) und Karl Heinz Müller (Klavier) gestaltet. In drei Blöcken wurden Lieder der Künstler Elsa Asenijeff (Max Reger), Malvina Schnorr von Carolsfeld sowie Clara und Robert Schumann aufgeführt. Den jeweiligen psychiatriegeschichtlichen Kontext erläuterte Thomas Seyde.
Zum Abschluss dankte Christina Stoppa den Rednerinnen und Rednern und den Musikern für ihre Beiträge sowie den Gästen für ihr Kommen und lud zum Empfang ein.

|
Foto: Durchblick .e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Michael von Cranach |

|
Foto: Durchblick .e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Christina Stoppa |

|
Foto: Durchblick e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Gabriele Lamotte |

|
Foto: Durchblick .e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Festveranstaltung zum Museumsjubiläum |
Filmaufführung »Nebel im August«
Am 13. Juni 2026 wurde in der Kinobar Prager Frühling der Film »Nebel im August« in Anwesenheit von Prof. Michael von Cranach aufgeführt.
»Nebel im August« (Deutschland, Österreich, 2016, 126 min.; Regie: Kay Wessel) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Domes und erzählt die wahre Geschichte des Ernst Lossa in Süddeutschland am Anfang der 1940er Jahre. Anhand seines Schicksals werden beispielhaft die tausendfachen Krankenmorde im Rahmen der nationalsozialistischen »Euthanasie« behandelt.
Im Anschluss an die Filmaufführung berichtete Michael von Cranach über die historischen Hintergründe des Filmes und seine Entstehung. Im Gespräch zeigten sich die Anwesenden beeindruckt von dem Film und den persönlichen Worten M. v. Cranachs.

|
Foto: Durchblick .e.V./Sächs. Psychiatriemuseum
Michael von Cranach beim Filmgespräch |
Tag der Offenen Tür
Am 13. Juni 2026 von 15 bis 18 Uhr veranstalteten der Durchblick e.V. und das Sächsische Psychiatriemuseum einen »Tag der Offenen Tür« in der Mainzer Str. 7, unterstützt von Mitarbeitenden des Wege e.V.
Der »Tag der Offenen Tür« bot den Besucherinnen und Besucher verschiedene Informations- und Mitmachangebote.
An Ständen stellten sich die beteiligten Vereine vor. Es gab Führungen durch die Räumlich-keiten und das Museum. Die Ausstellung »Kunst und Psychiatriegeschichte. Arbeiten aus dem Fundus der durch blick galerie« wurde eröffnet. Die künstlerischen Werkstätten des Durchblick e.V. konnten besichtigt und die Gäste selbst kreativ werden. Für Kinder gab es spezielle Bastelangebote.
Außerdem wurden kurze Touren mit dem Durchblick-Boot zum Stadthafen angeboten.
Für das leibliche Wohl sorgten ein Kuchenbuffet, der Grillstand sowie Kaffee und Getränke.
Die ca. 150 Besucherinnen und Besucher kamen größtenteils aus der Nachbarschaft oder waren durch die Ankündigungen in der Presse (Kreuzer, LVZ, Radio Blau) auf den »Tag der Offenen Tür« aufmerksam geworden.

|
Foto: Wege e.V. |

|
Foto: Wege e.V.
|

|
Foto: Wege e.V.
|
Psychiatriegeschichtliche Stadtführung
Zum Abschluss der Festwoche fand am 14. Juni 2026 eine Psychiatriegeschichtliche Stadtführung statt, bei der Thomas R. Müller die Teilnehmenden auf einem ca. zweistündigen Gang durch das Leipziger Stadtzentrum an historische Orte der Psychiatrie und an die Lebensgeschichten von Menschen mit psychischen Krisenerfahrungen (u.a. Elsa Asenijeff, Robert Schumann, Karl May) und prominente Psychiater (z.B. S. Hahnemann, Paul Julius Möbius und Christian August Heinroth) erinnerte.
Danksagung
Die erfolgreiche Durchführung der Festwoche war nur möglich durch das große Engagement der Mitarbeitenden und Mitglieder des Durchblick e.V., des Sächsischen Psychiatriemuseums und des Fördervereins, des Wege e.V. und durch die finanzielle Unterstützung zahlreicher Förderer:
• Stadt Leipzig (Stadtbezirksbudget Mitte; Referat Demokratie und gesell. Zusammenhalt)
• Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt
• Stiftung für Soziale Psychiatrie der DGSP
• Sächsische Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (SGSP e.V.)
• Förderverein Sächsisches Psychiatriemuseum e.V.
• Wege e.V.
Thomas R. Müller
Sächsisches Psychiatriemuseum
Fotos: Durchblick e.V./Sächsisches Psychiatriemuseum und Wege e.V. (Tag der Offenen Tür)
5. Ihre Unterstützung
Für die Finanzierung unserer Arbeit sind wir auf Drittmittel angewiesen. Dabei hilft uns jede
Spende. Auf Wunsch stellen wir Ihnen gern eine Spendenquittung aus.
Spendenkonto:
IBAN: DE 23 370205000003521400
BIC: BFSWDEE33LPZ (Bank für Sozialwirtschaft)
Stichwort: Psychiatriemuseum
6. Abonnement und Kontakt
Um den Newsletter abzubestellen oder mit uns Kontakt aufzunehmen, schicken Sie uns bitte eine Mai an:
7.Impressum
Herausgeber:Sächsisches Psychiatriemuseum des Vereins Durchblick e.V.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Thomas R. Müller
Redaktionsschluss: 07/2026
www.psychiatriemuseum.de
www.durchblick-ev.de
© Sächsisches Psychiatriemuseum Mainzer Straße 7 04109 Leipzig
|